BVS-Fortbildungstagungen

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Interdisziplinäre Schöntaler Gespräche – März 2018

50 Jahre Gespräche mit Fachleuten aus der Sprechwissenschaft, Sprecherziehung und deren affinen Berufsfeldern

Wie alle zwei Jahre lud der BVS e. V. zum achten Mal zu seinen Interdisziplinären Gesprächen ein. Man tagte im wunderbaren Ambiente der Klosteranlage Schöntal in Baden-Württemberg. Das Thema der Tagung „Training, Coaching, Beratung – Moderne Lehr- und Lernformen in der Sprecherziehung“ lockte über 20 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zur 57. Fortbildungstagung des Verbandes an.

Diese Tagungsreihe war ursprünglich bekannt als „Inzigkofener Gespräche“ unter der Leitung von Dr. Geert Lotzmann, der diese 1968 ins Leben rief. Der BVS führte die Reihe 2004 fort, nachdem Lotzmann in den Ruhestand getreten war, und übernahm das Konzept eines kleineren Teilnehmerkreises, der die Möglichkeit hat, alle Tagungsangebote wahrzunehmen. Auch der informelle Austausch an den Abenden begleitet durch ein künstlerisches Rahmenprogramm wurde mit viel Zuspruch weitergeführt. Der BVS richtet die Tagung regelmäßig aus. Man sieht sich also 2020 wieder.

Julia Rupprecht stellte ihre App für Stimmtraining VOCCO – VOCCO, die Stimmtraining-App – der Vocalcoach für unterwegs! vor. Diese App ermöglicht in Zeiten neuer Kommunikationsmittel eine professionelle Begleitung der Stimmschulung. Dies soll jedoch kein Stimmtraining und keine Therapie ersetzen.
Das Konzept entwickelt Rupprecht gemeinsam mit der Opernsängerin Brigitte Bayer. Die App befindet sich noch in der Erprobung und soll im Sommer 2018 auf den Markt. Den Entwicklerinnen ist es wichtig, dass Lernziele gemeinsam festgelegt und Übungen individuell auf die Person abgestimmt werden. Ziel ist es, alte Muster und Gewohnheiten, die die Stimme beeinträchtigen abzulegen und ein regelmäßiges Üben zu gewährleisten, das adäquat in die individuelle Alltagsgestaltung integriert werden kann. Rückmeldung an die Übenden werden von den Expertinnen Rupprecht und Bayer gegeben. Ihre App kann jetzt schon im Internet abgerufen werden: https://www.vocco-app.com/

Dr. Barbara Meyer stellte ihren Münchner Methodenkasten – neue Methoden für abwechslungsreiche Training vor. Auch hier gilt es, die neuen Medien einzusetzen. Die App MobiDics http://www.profil.uni-muenchen.de/universitas-digitalis/mobile-techniqu…, die in Zusammenarbeit mit der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt wurde, wurde präsentiert als digitale Unterstützung des Münchner Methodenkastens. Die Teilnehmenden bekamen nach der Tagung Zugang zum Experimentieren auf der e-Learning-Plattform.
Das Thema Transfer spielt hierbei eine wichtige Rolle. Mehrere Aspekte wurden geboten, nämlich die Beachtung der Lernziele, der Transferstärketest nach Prof. Axel Koch und das Schweizer schulpädagogische AVIVA-Modell.
Ergänzt wurden ihre Ausführungen durch Informationen über online vs. offline-gesteuerte Lernvermittlung. Tipps zu Lern- und Transferseiten aus dem Internet ergänzten den Vortrag.

Auch Wissen und Können aus der Antike bereicherte die Tagung. Zu Zeiten, in denen einfaches Auf- und Mitschreiben am nicht vorhandenen Material für die Lernenden scheiterte, legte man methodisch-didaktisch viel mehr Wert auf Zuhören und daraus resultierende Übungen.
Franziska Trischler führte uns in die Lernwelt der griechischen und römischen Rhetoriker ein mit Klassik trifft Moderne: Rhetorische Übungen aus der Antike und ihr Gewinn für heutigen Unterricht.
Sie stellte in ihrem Workshop die Progymnasmata vor - Übungen, die stufenweise in verschiedene Teile und Gestaltungsmittel antiker Reden einführten - und zeigte deren Aufbau und Ziele anhand mehrerer Übungssequenzen zum Widerlegen.
Die Teilnehmenden hatten dabei die Aufgabe, eine Sage oder eine Zeitungsnotiz nach bestimmten Schritten zu untersuchen, um sie auf diese Weise gründlich widerlegen zu können.
Die antike Methode nach Theon basiert auf lautem Lesen bzw. Hören, Auswendig lernen, Paraphrasieren, Ausarbeiten und Bestreiten von beispielhaften Reden.
In Kleingruppen konnten wir das Vorlesen, Nacherzählen und genaue Widerlegen üben. In lebendiger Atmosphäre durften wir die Texte auf fehlende Glaubwürdigkeit, fehlende Logik und Unangemessenheit untersuchen und schließlich eine spontane Widerlegungsrede halten. Selbst eine dümmliche, banale Zeitungsmeldung konnte genüsslich verrissen werden und schuf neuen Gesprächsstoff über die Methodik der antiken und zeitgenössischen Rhetorik.

Für Mareike Tiedes Workshop Storytelling! … damit der Funke überspringt! waren die Teilnehmenden durch den vorangegangenen Part schon gut vorbereitet.
Mit kleinen Übungen weihte Tiede die Teilnehmenden in die Kunst des Geschichtenerzählens ein. Dazu gehörte auch das Zeichnen von Gegenständen. Pflanzen oder Tiere, die man mit seiner Person verbindet; ich als .... Daraus entstanden spannende Geschichten.
Außerdem übte man in kleinen Gruppen das Nach- und Weitererzählen anhand kürzerer Texte, die vorher verinnerlicht wurden.
Tiede stieg mit einem Impulsreferat über philosophische Ansätze und etymologische Überlegungen zum Entstehen von Bildern im Kopf ein und klärte über wichtige Punkte zum Geschichtenerzählen auf.
Es war sehr kurzweilig, da alle aktiv üben konnten und viel Freude, besonders auch an Tiedes wunderbarer Gabe Geschichten zu erzählen, hatten.

Prof. Stefanie Köhler begeisterte die Runde mit körperlichen Übungen begleitet von dazu passenden Ausrufen und Sätzen. Ihr Übungsrepertoire fußt auf Volkmar Glasers Psychotonik®.
Sie stellte den Glaser-Kanon vor, der aus sechs Übungsteilen besteht. Diese machen die Körperdynamik in Relation zum chinesischen Meridiansystem bewusst. Nach dem Durchlaufen der Übungsschritte fühlten sich viele wach, frei und erfüllt von Tatendrang. Die Teilnehmenden nahmen die körperlichen Übungen nach den vielen Tagungsbeiträgen dankbar an.

Heidrun Essler führte in Alba Emoting mit einem Impulsreferat und kleineren Übungen ein. Dieser Ansatz aus der Neuropsychologie, Psychophysiologie und Psychotherapie erlaubt es, sich mit seinen Grundemotionen auseinander zu setzen, sie zu erkennen und sie in ihrer Reinform auszudrücken. Atmung, Körper und Mimik spielen dabei eine entscheidende Rolle, die es zu deuten gilt. Ziel von Alba Emoting ist es, sich klar zum Ausdruck zu bringen und Manipulationen zu erkennen.

Die letzten beiden Beiträge entstanden spontan, da zwei ursprünglich vorgesehene Referentinnen kurzfristig absagen mussten.

Unseren bunten Abend im „Roten Salon“ gestalteten alle Anwesenden wie auch Alexis Krüger mit Dialogen aus „Spejbl und Hurvínek“. Außerdem gab es noch eine wunderbare Melusinengeschichte gekonnt und spannend dargeboten von Mareike Tiede. Und der Funke sprang über!

An dieser Stelle möchte sich die Tagungsleitung Andrea Brunner ganz herzlich bedanken bei all jenen, die spontan vor Ort und bei den Tagungsvorbereitungen mitgewirkt haben.

Für das Jahr 2020 sind die Interdisziplinären Gespräche bereits in Planung.

Andrea Brunner

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Heike Heinemann

Bericht zur 56. Fortbildungsveranstaltung des BVS e. V.:
Donnerstag, den 15. Juni 2017 mit Franziska Trischler M.A.
10:15-16:00 Uhr in Heidelberg

"Rhetorik: Klassik trifft Moderne – Übungen, Aufgaben, Methoden."

Unsere Referentin Franziska Trischler absolvierte bis 2009 in Landau in der Pfalz ihr Sprechwissenschaftsstudium und ist derzeit Vorsitzende der Berufskommission der DGSS und Mitglied unseres Berufsverbands BVS e. V. Sie ist aktuell Sprecherzieherin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg und auch auf verschiedenen „Bühnen“ in der Republik anzutreffen.

Eine große Gruppe von Mitgliedern des Berufsverbandes und einige Gäste lockte dieses spannende Thema bei schönem sonnigen Frühlingswetter in den „Bahnstadttreff LA33“ nach Heidelberg.

Franziska Trischler machte uns durch ihre lebendige und mitreißende Art und ihren abwechslungsreichen Vortragsstil bereits zu Beginn neugierig auf die Prinzipien und typischen Aufgabenstellungen und Methoden aus dem Fach Rhetorik in der Antike.

Sie selbst beschäftigt sich bereits seit ihrer Münchner Gymnasialzeit mit rhetorischer Bildung und holte uns fröhlich mit Geschichten und Anekdoten zu ihrer persönlichen Herangehensweise und ihren Erkenntnissen über die Rhetorik von der Antike bis heute mit dem aristotelischen Ethos-Begriff ab.

Es gab eine eindrucksvolle bildliche und erzählte Darstellung, sowie einen zeitlichen Überblick der wesentlichen „Rhetoriker“, geschmückt mit vielen anschaulichen Beispielen und Auszügen von noch überlieferten Originalfassungen.

Weiterhin entführte sie uns in die Welt der Progymnasmata (griechisch, Plural von progymnasma), diese sind Vorübungen aus dem Rhetorikunterricht von der Antike bis in die Neuzeit.

Ursprünglich bezeichnete der Begriff die „Vorübungen“ griechischer Athleten vor den eigentlichen Wettkämpfen. Später wurde dieser Begriff dann auf die erste Phase der Ausbildung in der Redekunst übertragen.

So wurde beispielsweise primavista gelesen – ein Auszug aus „Der Schulstreit zwischen Julianus und Apsines“ aus Max Becker „Eupaniapos aus Sardes“ von Freiwilligen in verteilten Rollen zum Besten gegeben, was für Erheiterung und eindrückliche akustische Darstellung sorgte.

Die Zeit verging wie im Fluge und nach dem spannenden Theorie-Teil kam dann die Praxis. Alle Teilnehmenden durften sich an eine „Chrie“ wagen und daran verschiedene überlieferte Übungen ausprobieren und anwenden.

Eine Chrie (griech.: χρεία, chreia - „Gebrauch“) ist eine schriftliche Ausarbeitung über eine Spruchweisheit nach einem festgelegten, formalen Schema. Sie gehörte zu den Progymnasmata des antiken Rhetorikunterrichts. Auch heute wird die Chrie noch ab und an in der Vorbereitung auf eine Debatte oder Rede benutzt.

Zum Teil im Plenum und in Zweier- und Dreierruppen probierten sich die Teilnehmenden aus. So wurde die Chrie umformuliert, das Gegenteil gefunden, ausgeweitet und reduziert. Weitere Chries wie „Diogenes und der Trinkbecher“, „Demosthenes und der Schatten des Esels“ sowie Epaminondas und seine Töchter“ dienten für weitere kurze rhetorische Übungen.

Auch die Brücke zur „Rhetorik der Moderne“ wurde von Franszika Trischler immer wieder gekonnt geschlagen. So wurde die Chrie auch auf die Argumentationsstruktur hin untersucht und ein Beispiel mit Einleitung, Nennung, Gründe, Gegenteil, Vergleich, Beispiel und Zusammenfassung präsentiert.

Franziska Trischler schaffte es in der Kürze der Zeit einen rasanten Überblick darzubieten, aufgeheitert durch Lustiges und Nachdenkliches und viel Stoff zum selbst Ausprobieren und Weiterführen in der Praxis.

Alle Teilnehmenden waren begeistert von der „Zeitreise“, dem mitgebrachten Material an Büchern und Texten, sowie den abwechslungsreichen Übungen. Es gab im Plenum wie auch in den Pausen spannende Gespräche und intensiven Austausch unter den Teilnehmenden und mit der Referentin.

Nach diesem eindrucksvollen Workshop entschloss sich Franziska Trischler auf Wunsch der Teilnehmenden, das Thema auf der Tagung „Schöntaler Gespräche“ im März 2018 weiter zu vertiefen.

Darauf freuen wir uns und sagen ein herzliches „Dankeschön“!

 

 

Andrea Brunner

Bericht zur 55. Fortbildungsveranstaltung des BVS e. V.:
So, den 20. November 2016 mit Tobias Grauer
10:15-15:00 Uhr in Stuttgart

"Atem bewegen, Menschen bewegen. Die intentionale Stimme auf der Bühne."

Tobias Grauer, unser Referent, studierte von 2000 bis 2004 Sprechkunst und Sprecherziehung (Dipl.) an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart bei Prof. Uta Kutter. Er arbeitet an verschiednen Schauspielschulen und ist auch als Sprecher tätig. Außerdem ist er Mitglied unseres Berufsverbands BVS e. V..

Eine kleine Gruppe von Mitgliedern und Studierenden der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart fand sich im sonnendurchfluteten Übungsraum in bequemer Kleidung ein. Versprochen wurde uns ein körpernahes Körper-Stimmtrainingsprogramm, welches keine allzu steife Garderobe erlaubte. Und das war gut so. Alle begrüßten den Körpereinsatz kombiniert mit Stimme. Der intentionale Ansatz als zielgerichtetes und adressatenorientiertes Sprechen, ein Sprechen, das mit einer Absicht, einer Haltung vollzogen wird, spiegelt dies in der Stimme wider. Dieses Phänomen wird u. a. im Schauspiel genutzt, um der zu verkörpernden Figur den richtigen Ton zu verleihen. Viele in der Sprecherziehung Tätige sind um Übungen und Wissen bestrebt, wie dieser richtige Ton zustande kommen kann.

Tobias Grauer zeigte uns seinen Weg über eine sehr körperorientierte Weise. Er begann seine Übungen mit Konzentrations- und Bewegungsübungen, wie man sie zum Aufwärmen aus dem Schauspiel und der Theaterpädagogik kennt. Der Körper kommt in das richtige Spannungsverhältnis und ist intuitiv auf Reaktionen und Aktionen eingestellt. Beim gleichzeitigen Phonieren stellt sich im Idealfalle der adäquate Sprechausdruck mit der entsprechenden Stimmqualität ein. Weiter Übungen zur Balance in Paar- und Einzelarbeit folgten. Den Höhepunkt bot der Einsatz der „intentionalen Stimme“: Die Teilnehmenden stehen im Halbkreis mit dem Rücken zu einer Person, welche eine aus dem Kreis mit „Du“ anruft. Bemerkt die Person, an die das „Du“ gerichtet ist, die Intension der Ansprache, macht sie sich durch Umdrehen bemerkbar. So ist eine gewisse Überprüfbarkeit gewährleistet, ob die „intentionale Stimme“ gewirkt hat und nebenbei, ob beim Rezipieren das dichotische Hören funktioniert.

Bei den Übungen geht es nicht ums Machen, So-Tun-Als-Ob oder schön tönen, sondern ob die wahre Absicht als solche erkennbar ist. Für alle Menschen, die ihre Stimme professionell einsetzen (möchten) ist der Ansatz, die Stimme intentional zum Klingen zu bringen, ein guter Weg und wird in vielen sprecherzieherischen Übungen gerne explizit und implizit eingesetzt.

Fragt man nach theoriebasierten Begründungen und Forschungsansätzen zur „intentionalen Stimme“, so wird man z. B. bei Volkmar Glasers Psychotonik® und bei allen anderen wissenschaftlich fundierten Übungsbüchern zu Körper und Stimme fündig.

Alle Teilnehmenden genossen die Übungen und führten inspirierende Gespräche während der Pausen. Nach diesem eindrucksvollen Workshop schloss sich eine ertragreiche Mitgliederversammlung an. Dabei ging es auch um weitere BVS-Fortbildungen. Die nächste findet am 15. Juni 2017 in Heidelberg satt: „Rhetorik – Klassik trifft auf Moderne“ mit der Sprechwissenschaftlerin Franziska Trischler M. A.. Herzlich willkommen!

 

51. Fortbildungstagung des BVS (Berufsverband sprechen Baden-Württemberg)

E-Learning – Die Antwort auf alles?

Heute gehört es zum Standard, dass Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen von E-Learning Gebrauch machen. Man verspricht sich ein individuelles Lernprogramm. Materialien können zeitnah und für die Zielgruppe zugeschnitten bereitgestellt werden. Zu kurz gekommene Diskurse in Präsenzveranstaltungen können über Foren und Chats ergänzt und vertieft werden.
Wie es in der Bildungslandschaft aussieht, erläuterte uns anschaulich der Referent Olaf Ebner. Er ist Politikwissenschaftler und seit über zehn Jahren mit E-Learning vertraut. Bei einem der größten Bildungsanbieter Deutschlands leitet er mehrere Blended Learning-Projekte.
„Blended Learning ist ein integriertes Lernkonzept, das die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über Internet oder Intranet in Verbindung mit ‚klassischen‘ Lernmethoden und -medien in einem sinnvollen Lernarrangement optimal nutzt.
Es ermöglicht Lernen, Kommunizieren, Informieren und Wissensmanagement, losgelöst von Ort und Zeit in Kombination mit Erfahrungsaustausch, Rollenspiel und persönlichen Begegnungen im klassischen Präsenztraining.“.[1]
Unterschiedlichste Medien beeinflussten schon immer die Geschichte des Lernens. So sind Bildungsprogramme im Fernsehen seit den 60ern bekannt. In den 1980ern machten sich computerbasierte Lernprogramme (CBT) für Sprachen und Kinderlernprogramme breit. Das Web-Based Training (WBT) ermöglichte ab den 1990ern auch synchrones Kommunizieren und Kooperieren im Web zwischen Lernenden und Lehrenden. Der Schritt zum heutigen Blended Learning wurde durch das veränderte Nutzen des Internets (Web2.0) begünstigt. NutzerInnen gestalten das Internet selbst und bestimmen Inhalte mit. „Content is King“ – der Inhalt einer Website ist für die BenutzerInnen maßgeblich. Der interaktive Gebrauch steht und fällt mit jenem Inhalt. Dies können Daten aller Art sein: Audios, Videos, Apps und alle möglichen e-tauglichen Dienste. Das mobile Internet setzt sich immer mehr durch. Der Zugang und die Haltung zu Wissen und Lernen verändern sich durch Halbwertszeit von Wissen, schnelle Veränderungen in der Arbeitswelt, demografischen Wandel und vieles mehr. Dies ist die Ursache für den Aufschwung der Blended Learning-Konzepte. Technologien wie Telefonie übers Internet (VoIP), Webcams und elektronische Whiteboards erleichtern und bereichern den Ausbau und die Nutzung. Mobiles Lernen und virtuelle Klassenzimmer nehmen zu.
Ein neuer boomender Wirtschaftszweig wird geschaffen, indem der Bedarf an e-Learning-Formaten in allen Branchen eklatant steigt. Dies macht sich auch bemerkbar an der steigenden Zahl der Webinare. Ein Webinar ist interaktiv ausgelegt und ermöglicht synchron eine beidseitige Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden.
Web-Kommunikationssysteme, welche sowohl Webkonferenzen als auch die Online-Zusammenarbeit ermöglicht, werden in Unternehmen immer mehr für Videoschaltkonferenzen eingesetzt.
MOOCS (Massive Open Online Courses) sind für alle Interessierten offene Lehrveranstaltungen im Internet. In Schulen hat sich Moodle stark verbreitet.
Unterstützt nun e-Learning und Blended Learning Lernen und Lehren? - Die Antwort auf alles?
Engagiert, lebendig und informativ regte Olaf Ebner zur Auseinandersetzung mit den webbasierten Lernformaten an, die sich auch in Betrieben durchsetzen. Eine ansprechende Präsentation und viele Tipps rund ums Thema bereicherten die Fortbildungstagung, die von etlichen interessierten BVS-Mitgliedern in der Pädagogischen Hochschule Heidelberg besucht wurde.
Andrea Brunner
 

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52. Fortbildungstagung des BVS (Berufsverband sprechen Baden-Württemberg)

 

Eine gute Moderation ist wie die
Petersilie ...

Am 14. Juli 2015 fand die 52. BVS-Fortbildung zum Thema
Veranstaltungs-Moderation mit Peter Gorges in Heidelberg-Kirchheim statt. Knapp
20  BVS-Mitglieder und Gäste bekamen wertvolle Tipps zur Vorbereitung einer
Moderation und durften später selbst auf einer Bühne das Moderieren üben. Die
Veranstaltung stand unter Gorges Motto „Moderation ist wie die Petersilie auf
dem Käsebrötchen am kalten Buffet:  Keiner isst sie, aber jedem fällt auf, wenn
sie nicht da ist.“

In einem kleinen Theorieteil ging Moderator und
Sprechkünstler Peter Gorges unter anderem auf Vertragsabschluss, Recherche,
Planungsgespräche mit dem Veranstalter und Konzeptionierung des Ablaufes ein.
Probeläufe und Überarbeitungen sollten zu „viel Aroma bei möglichst wenig
Länge“ führen. Der Referent gab auch Tipps technischer Natur, angefangenen vom
Einsatz des Stichwortkonzepts bis hin zu eigens entwickelten Methoden für den
Moderationseinstieg. Ein reger Austausch über eigene Auftrittserfahrungen nebst
technischer Hilfsmittel fand statt und wurde von beiden Seiten gerne
aufgenommen.

In der praktischen Übung durften die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer eine Gründungstagung der Liga der Espressotrinker anmoderieren. Dazu
nutzten fünf Frauen, die allesamt interessante unterschiedliche Ansätze hatten
die große Bühne im Festsaal des Tagungsortes. Durch die räumlichen Gegebenheiten
konnten sich sowohl Publikum als auch Teilnehmerinnen in eine echte
Moderationsatmosphäre hinein versetzen. Schon allein das Auftreten und Abgehen
war für viele eine willkommene Übung. Für jede gab es ein ausführliches
Feedback von Peter Gorges und dem Fortbildungs-Publikum. Dabei wurden auch Begriffe
wie Authentizität und Persönlichkeit im Zusammenhang mit dem Moderieren
angesprochen. Das Thema Körpersprache, beispielsweise mit Hand in der
Hosentasche, rief eine lebendige Diskussion, u. a. über interkulturelle Aspekte hervor.

Auf der kleinen aber feinen Fortbildungsveranstaltung hat
sich wieder gezeigt, wie ergiebig und wichtig der Austausch zwischen Menschen,
die in ähnlichen Berufsfeldern arbeiten, ist. Der neugewählte BVS-Vorstand
plant bereits die nächsten Fortbildungen, bei denen auch Nichtmitglieder immer
herzlich willkommen sind. Interessierte können sich jetzt schon den 15.
November 2015 vormerken.
Katharina C. Müller und Andrea Brunner